Respektvoller Umgang

Ausgangslage
Die 5. Klasse ist motiviert und gut zu führen, es erschweren jedoch zum Teil tägliche Auseinandersetzungen unter einzelnen Kindern den Alltag. Die Konflikte passieren häufig ausserhalb der Schule, die damit einhergehenden Emotionen beinträchtigen jedoch den Schulalltag. Regeln zum Umgang miteinander werden zwar anerkannt und der Wille zur Verhaltensänderung ist durchaus da. Alte Konflikte brechen ständig neu auf und ein Ausbrechen aus den alten Mustern scheint unmöglich. 

Ziele des Projekts
Die Kinder sollen mit Hilfe von Szenen und stufengerechter Auseinandersetzung mit ihrem eigenen Verhalten konfrontiert werden, wobei grosser Wert auf die Stärkung der Ressourcen und eine differenzierte Wahrnehmung des eigenen Verhaltens gelegt wird. Erwünschtes Verhalten soll gestärkt werden, unerwünschtes benannt, Grenzen sollen erkannt und respektiert werden können. Übungen zum Perspektivenwechsel soll den Kindern die Sichtweise der KollegInnen näher bringen.

Inhalt
Zugang ist der Titel „Respektvoller Umgang miteinander“: Wie verhalte ich mich, wenn ich etwas will oder nicht will? Was wünsche ich mir für mich und unsere Klasse, was kann ich dazu beitragen, wie soll der gute Klassengeist Einzug halten? Was brauche ich, um in Ruhe arbeiten zu können? Konflikte können nicht verhindert werden, es gibt jedoch Modelle zur Lösung, diese können gelernt und geübt werden. Als Teil der Gruppe haben alle eine Verantwortung wahrzunehmen.

Stärkung der Selbst- und Sozialkompetenzen - Einbindung der Eltern
Ziel der Arbeit in der Klasse ist die Stärkung der Selbst- und Sozialkompetenzen, indem entsprechend der Situation alternative und angepasste Handlungsmöglichkeiten erprobt und eingeübt werden. Gleichzeitig soll den Kindern ein Spiegel zu ihrem aktuellen Verhalten hingehalten werden, damit dieses überprüft und somit auch verhandelt werden kann und muss.

Teamfähigkeit ist eine Schlüsselkompetenz, diesen Lernprozess können auch die Eltern nachhaltig unterstützen

Die Lehrperson soll eine Entlastung erfahren und gleichzeitig die Möglichkeit erhalten, die Mechanismen der Gruppe einmal nicht in der Position der Leitung wahrzunehmen. Auch sie soll die Möglichkeit erhalten, alternative Handlungsmöglichkeiten kennen zu lernen und anwenden zu können, dazu dienen die Nachbesprechungen und das Coaching.

Elternabend - Teamfähigkeit ist eine Schlüsselkompetenz
Die Schulleitung erklärt den Eltern die Ziele und die Hintergründe des Projekts sowie was die Schule erwartet und was sie als Eltern zum Gelingen beitragen können. Die Klassenlehrperson zeigt Fotos der Projektarbeit und nimmt Stellung zur aktuellen Situation in der Klasse, die Projekleitung erklärt den Eltern die Arbeit mit TZT und speziell die Inhalte zu sozialem Lernen. Auch die bisherigen Ergebnisse zeigen wir auf: Die Kinder haben sich vorgenommen, sich in einem positiven Sinn einzumischen, einander weniger auszulachen, andere zum spielen einzuladen, sich mehr um das Wohl aller zu kümmern

Die Eltern besprechen erst untereinander, was sie davon zu Hause mitbekommen, danach im Plenum, wie sie die aktuelle Situation einschätzen. Die Eltern bestätigen eine Verbesserung der ganzen Situation und bekräftigen ihren Willen, sich dafür einzusetzen, dass sich die Kinder zunehmend konstruktiv verhalten. Interessant ist, dass die Eltern der sogenannt unbeteiligten Kinder sich nicht wirklich bewusst waren, welche wichtige Rolle gerade die „neutralen“ Kinder in der Klasse übernehmen können.

Coaching: Entwickeln einer Feedbackkultur
Im Coaching beschäftigen wir uns mit den Ansprüchen der Klasse, oft Rückmeldungen einzufordern. Wir besprechen ein Rückmeldeverfahren auf verschiedenen Ebenen, zu zweit, allein, in der Kleingruppe. Die Lehrperson gibt regelmässige Rückmeldungen zum Verhalten, möglichst positive, da diese Verhalten so verstärkt werden können.

Am Anfang steht immer Selbstwahrnehmung; auch diesem Lernen muss Zeit einberaumt werden, dies kann jedoch sehr gut auch als kleine Pause im Ablauf des Unterrichts eingebaut werden: Kurze Reflexion und danach Rückmeldungen zu zweit: wie gelang mir bspw. diese Aufgabe, wo stehe ich im Ablauf, woran muss ich arbeiten? Dies kommt auch der unbändigen Lust an Interaktion entgegen, die ja auch Motor sein kann.

Bilanz der Lehrperson
In der Klasse ist eine grössere Offenheit spürbar und Probleme werden auf natürlichere Weise angegangen.

Das Projekt wurde im 2013 in einer 5. Klasse im Kanton Bern von Sabine Schnell durchgeführt.